
Disclaimer:
Die hier erstellten Texte und Grafiken sind mittels KI generiert. Als Grundlage wurde das Transkript des Vortrags von Michael Willenberg und Dr. Oliver Zetsche genutzt. Folge dessen sind die folgenden Inhalte keine allumfassende Betrachtung der Themenaspekte, sondern lediglich ein Abbild dessen, was auf der Bühne des AVWS-Fachtags 2025 gesprochen wurde!
Wir bitten daher von einer Weiterverarbeitung der hier präsentierten einzelnen Inhalte abzusehen.
Von uns umfassend aufbereitete Informationen zum Thema AVWS finden Sie dagegen unter https://avws.selbsthilfe.plus.
1. Einführung: AVWS und die Notwendigkeit maßgeschneiderter Unterstützung
Der Vortrag von Michael Willenberg (Gromke Hörzentrum Leipzig) und Dr. Oliver Zetsche (Berufsbildungswerk Leipzig für Hör- und Sprachgeschädigte) beleuchtet die Herausforderungen von AVWS und die Entwicklung sowie den Einsatz technischer Hilfsmittel. Ein zentraler Punkt ist die Erkenntnis, dass es „nicht die AVWS“ gibt, sondern verschiedene Ausprägungen, die eine individuelle Herangehensweise an die Versorgung erfordern. Dies betont die Notwendigkeit, zunächst die spezifischen Problembereiche zu verstehen, bevor technische Hilfen zum Einsatz kommen.
2. HörVAS: Ein neues Selbsteinschätzungsinstrument für den Alltag
Dr. Oliver Zetsche stellt HörVAS (Hörverarbeitung im Alltag: Selbsteinschätzung) vor, einen neu entwickelten, niedrigschwelligen Selbsteinschätzungsbogen für Jugendliche und Erwachsene mit AVWS.
- Zweck: „Bereitstellung einer niedrigschwelligen Möglichkeit, die eigene Hörverarbeitung (vor einer med. Untersuchung) selbstständig zu prüfen → erste schnelle Orientierungshilfe“ und „Tool zur Reflexion, ggf. gemeinsam mit einer beratenden Person“.
- Aufbau: 35 Fragen mit Multi-Item-Skalen, die verschiedene auditive Teilleistungsbereiche abdecken. Die Skalen sind an die jeweilige Aussage angepasst („Sehr schlecht – sehr gut“, „Immer – nie“, „Sehr anstrengend – überhaupt nicht anstrengend“ etc.).
- Betroffene auditive Teilleistungsbereiche (TLB) laut Forschungsprojekt SL.AVWS:
- Verarbeitung (Hirnstamm):
- Hören im Störschall (Auditive Selektion) [83%]
- Dichotisches Hören (Verstehen bei zwei gleichzeitig sprechenden Personen) [69%]
- Auditive Separation (Verstehen in einer größeren Gruppe) [72%]
- Auditive Sequenzierung (Reihenfolge gehörter Informationen merken) [52%]
- Lautdiskrimination, Lautdifferenzierung (Ähnlich klingende Wörter unterscheiden) [52%]
- Wahrnehmung (Hörzentrum, auditorische Kortex): Auditive Aufmerksamkeit (Sich Geräuschen/Stimmen zuwenden und zuhören können) [75%]
- Auditive Speicherung (Gehörte Informationen merken und erinnern) [75%]
- Lautheitsempfinden, Geräuschempfindlichkeit (Hyperakusis) [48%]
- Richtungshören, Auditive Lokalisation [42%]
- Verarbeitung (Hirnstamm):
- Aktueller Stand & Nutzung: Die erste Version ist bereits online über hoervas.de verfügbar. Eine App-Version ist in Planung. Ziel ist ein transparenter und partizipativer Entwicklungsprozess, bei dem Nutzer Feedback zu den Fragen und zur Gestaltung geben können.
- Zukünftige Entwicklung (Phase 2): Weiterentwicklung des Fragebogenkatalogs und „Verbindung der Selbsteinschätzungs-Werte mit Messergebnissen einer jeweiligen AVWS-Diagnostik“ zur Herstellung einer hohen Vorhersage-Validität und Reliabilität.
3. Hörgeräte-Versorgung bei AVWS: Möglichkeiten und Grenzen
Michael Willenberg beleuchtet die Rolle von Hörgeräten bei AVWS, betont jedoch, dass sie nicht immer der „Goldstandard“ sind.
- Anwendungsbereiche: Hörsysteme können bei AVWS ansetzen, obwohl sie primär für periphere Hörverluste konzipiert sind. Ihr hoher Individualisierungsgrad ermöglicht den Einsatz.
- AVWS-spezifische Einstellung (Beispiele):Konsonantenerhöhung: Eine „leichte Überbetonung“ im Frequenzbereich der Konsonanten zur Unterstützung des Sprachverstehens. Hierbei bleiben die Ohrpassstücke offen, sodass Nutzer das unveränderte Sprachbild plus die Konsonantenanreicherung hören.
- Fokussierung: Maximale Konfiguration aller Ausstattungsmerkmale, die Sprache von Störgeräuschen trennen (Mikrofontechnologie, Algorithmen). Hierbei wird eine komplett geschlossene Otoplastik verwendet, um den Nutzer von Nebengeräuschen abzuschirmen und ein aufbereitetes Hörbild zu liefern.
- Übertragungsanlagen: Reduzierung der Distanz zwischen Sprecher und Hörer durch Funkübertragung der Stimme über ein Mikrofon zum Empfänger. Besonders effektiv, wo „verschiedene Probleme quasi kombinieren“ und im Bildungsbereich weit verbreitet (z.B. Roger Focus-Systeme).
- Hörgeräte als „Goldstandard“? Nein, nicht unbedingt. Willenberg betont, dass die vorgestellten Ansätze „Ergebnis probatorischer Versorgung“ sind und wissenschaftlicher Auseinandersetzung bedürfen. Sie sind jedoch „hochmoderne, leistungsfähige Medizinprodukte“, die individualisiert eingesetzt werden können.
- Kostenübernahme: Die Kostenübernahme durch gesetzliche Krankenkassen ist bei AVWS noch nicht in Richtlinien verankert. Es müssen „Einzelentscheidungen“ herbeigeführt werden, basierend auf der Dokumentation des Erfolgs (Tagebücher, verbessertes Sprachverstehen im Störgeräusch, Verringerung der Höranstrengung). Argumente sollten auf der Verbesserung der „Teilhabe im privaten Umfeld“ basieren, nicht primär auf schulischen Aspekten.
- Potenziell kontraproduktiv? Hörgeräte sind bei AVWS in der Regel nicht kontraproduktiv, da keine periphere Schädigung vorliegt. Eine Überbeanspruchung wird durch Regelmechanismen der Hörsysteme vermieden, die die Lautstärke begrenzen.
4. Auracast: Die Zukunft der Audioübertragung
Auracast wird als eine zukunftsweisende Technologie vorgestellt, die aktuelle Probleme bestehender Hörhilfesysteme lösen soll.
- Was es ist und kann: Auracast ist ein Bluetooth-Standard, der darauf abzielt, „die Unzulänglichkeiten bisher bekannter Übertragungssysteme in Sachen Tonqualität, Privatsphäre und Übertragungsqualität zu lösen“. Es soll in öffentlichen Einrichtungen (Bahnhöfen, Flughäfen), bei kulturellen Angeboten sowie für private Anwendungen genutzt werden, sowohl von Normalhörenden mit Kopfhörern als auch von Nutzern von Hörgeräten oder Hörimplantaten.
- Rollen im Auracast-System:Auracast-Sender: Sendegerät (Universal-Sender, TV, PC).
- Auracast-Assistent: Vermittelt die Sendung des Senders (meist Smartphone, Tablet, PC). Dies ist eine neue, grundlegende Funktion, ohne die Auracast nicht genutzt werden kann.
- Auracast-Empfänger: Empfängt den Audiostream (Kopfhörer, Hörgerät, Smartphone).
- Aktueller Stand: Auracast ist bereits „in vollem Gange“. Seit Ende 2022 sind neue Smartphones Auracast-fähig (z.B. Google Pixel 7/8, SONY Xperia 5V/1, Samsung Galaxy S23, Z Fold 4, Z Flip 4, iPhone 11 aufwärts). Bluetooth gibt an, dass 2024 bereits ca. 1,5 Milliarden Geräte weltweit mit dieser Funktion verkauft wurden.
- Was zu beachten ist:Erinnert an bekannte Bluetooth-Funktionen.
- 10 Meter Umkreis um den Sender für den Verbindungsaufbau.
- Reichweite des Audiostreams bis zu 100 Meter.
- Unbegrenzte Anzahl an Empfängern möglich.
- Potenzieller Ersatz für Phonak-Systeme? Auracast wird voraussichtlich nicht vollständig als Ersatz dienen, da Phonak-Anlagen „weitere Vorteile“ bieten, insbesondere im schulischen Kontext. Eine „Kombination gelingt uns ja schon seit einigen Jahren ganz gut“, und die Verzahnung von alten und neuen Produkten ist möglich (z.B. durch Kopplung mit Soundfield-Systemen).
5. Weitere technische Hilfsmittel und Do-it-yourself-Lösungen
Neben Hörgeräten und Auracast gibt es eine Reihe weiterer technischer Hilfsmittel, die bei AVWS unterstützen können, teilweise auch als Over-the-Counter (OTC) oder Consumer-Produkte erhältlich.
- Mildere Gehörschutzvarianten: Können zur „Verringerung der Gesamtintensität des Hörens“ beitragen und haben sich im Einzelfall bewährt.
- OTC/Consumer-Produkte:ANC (Active Noise Cancelling) Kopfhörer: Unterdrücken Störgeräusche und stellen Wunschinhalte in den Vordergrund. Populäre Modelle sind Sony WH-1000XM6, Bose QuietComfort, Sennheiser Momentum True Wireless 4.
- Professionelle Konferenzsysteme: Online-Besprechungstools, Kameras und Mikrofone können Sprache separieren und deutlich darstellen.
- Smartphone als externes Mikrofon: Neuere Smartphones bieten über Bedienhilfen Tools, um Sprache einzufangen und separiert auf Kopfhörern darzustellen (Reichweite ca. 8 Meter).
- Spezialisierte OTC-Produkte: Audeara Buds, Jabra Enhance, Nuheara IQbuds2max, Nuance Audio Glasses.
- Alternative Mini „DAÜ-Anlage to go“: JBL Tour Pro 3, JBL Tour One M3, Creative ZEN Hybrid Reihe, Creative Aurvana Ace Mimi, OrCam Hear.
- WLAN-Streaming und professionelles Auracast-Broadcasting: Für Einrichtungen installierbare Lösungen wie Sennheiser Mobile Connect, ListenWIFI, Bettear SHOW, Auri, Bettear CASTER, AuraGate, AuraSTRX, AuraLoop+. Eine hybride Lösung (WiFi + Auracast) wird aktuell empfohlen.
- Schreibhilfen und Transkriptionsmöglichkeiten (für auditive Speicherung und Sequenzierung):Smartpens: Synchronisieren Geschriebenes mit Gehörtem (Moleskin Smart Writing Set, NEO Smartpen, Newyes SyncPen4).
- Apps: Samsung Notes, AudioNote 2, Notability, Goodnotes.
- AI Voice Recorder: PLAUD Note, Xnote.
- Live-Transkription: Live-Untertitel (MS Windows 11, offline), spezifische Tools wie &ava, XRAI, Google „Automatische Transkription“ (offline).
- Telefonieren: Samsung Galaxy und Google Pixel Geräte (ab Android 16) bieten Live-Transkription.
- Zukunft: Smart Glasses, AR-Brillen (Even Realities G1, Vuzix Blade 2, Captify) sollen all diese Funktionen vereinen („Audio-Prompting und spatial“).
6. Beratung und wissenschaftliche Untermauerung
- Beratung für Schulen: Es gibt spezialisierte Unternehmen und Hörakustikunternehmen (oftmals mit Schwerpunkt Pädakustik), die Schulen und betroffene Kinder bei der Auswahl und Installation technischer Unterstützung beraten können.
- Wissenschaftliche Untermauerung: Es gibt „Bemühungen, den Nutzen von Hörsystemen wissenschaftlich zu unterlegen“, um ihre Aufnahme in Hilfsmittelrichtlinien zu ermöglichen. Im Leipziger Netzwerk werden bereits probatorische Versorgungen dokumentiert.
Kontakt für weitere Informationen und Feedback zu HörVAS:
- Newsletter AVWS-Ticker: https://leipziger-avws-board.de/newsletter-avws-ticker/
- E-Mail: avws@bbw-leipzig.de
Eine Videoübersicht, erstellt von Google NotebookLM:
Hier ist ein 8-Fragen-FAQ, das die Hauptthemen und -ideen der bereitgestellten Quellen zusammenfasst:
Was ist HörVAS und welche Funktion hat es?
HörVAS steht für „Hörverarbeitung im Alltag: Selbsteinschätzung“ und ist ein in Entwicklung befindlicher Fragebogen zur Selbsteinschätzung auditiver Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen (AVWS) bei Jugendlichen und Erwachsenen. Er dient als niedrigschwellige, schnelle Orientierungshilfe vor einer medizinischen Untersuchung und ermöglicht die Reflexion der eigenen Hörverarbeitung, eventuell in Kombination mit einem psychologischen Tagebuch. Der HörVAS umfasst 35 Fragen mit verschiedenen Multi-Item-Skalen, die sich auf Alltagssituationen beziehen und unterschiedliche auditive Teilleistungsbereiche abfragen (z.B. Hören im Störschall, auditive Aufmerksamkeit, dichotisches Hören). Nach dem Ausfüllen visualisiert ein Polar-Chart die Ergebnisse und bietet Tipps. Ziel ist es, in einer späteren Phase die Selbsteinschätzungswerte mit diagnostischen Messergebnissen zu verknüpfen, um die prädiktive Validität und Reliabilität zu erhöhen. Die erste Version ist bereits als Web-Version verfügbar und eine App-Version ist in Planung.
Welche auditiven Teilleistungsbereiche können von einer AVWS betroffen sein?
AVWS können verschiedene auditive Teilleistungsbereiche beeinträchtigen, die sich in Verarbeitung (Hirnstamm) und Wahrnehmung (Hörzentrum, auditorischer Kortex) unterteilen lassen. Die am häufigsten betroffenen Bereiche sind:
- Hören im Störschall (Auditive Selektion): Schwierigkeiten, ein Gespräch bei lauten Umgebungsgeräuschen zu verstehen (betrifft 83% der Befragten, 91% bei >18 J.).
- Auditive Aufmerksamkeit: Probleme, sich Geräuschen/Stimmen zuzuwenden und über längere Zeit zuzuhören (betrifft 75%).
- Dichotisches Hören: Schwierigkeiten, ein Gespräch zu verstehen, wenn zwei Personen gleichzeitig sprechen (betrifft 69%).
- Auditive Speicherung: Probleme, gehörte Informationen zu merken und sich daran zu erinnern (betrifft 75%).
- Auditive Separation: Schwierigkeiten, ein Gespräch in einer größeren Gruppe zu verstehen (betrifft 72%).
- Auditive Sequenzierung: Probleme, die richtige Reihenfolge gehörter Informationen zu merken und nachzuerzählen (betrifft 52%).
- Lautdiskrimination, Lautdifferenzierung: Schwierigkeiten, ähnlich klingende Wörter zu unterscheiden (betrifft 52%).
- Lautheitsempfinden, Geräuschempfindlichkeit (Hyperakusis): Probleme, laute Gespräche ohne Probleme zu ertragen (betrifft 48%).
- Richtungshören, Auditive Lokalisation: Schwierigkeiten, die Richtung eines Tons zu erkennen (betrifft 42%). Zusätzlich können Analysestörungen (Heraushören kleinerer akustischer Elemente), Synthesestörungen (Zusammensetzen von Lauten zu Wörtern) und Ergänzungsstörungen (Vervollständigen von Wort- oder Satzfragmenten) auftreten.
Wie können Hörgeräte bei AVWS eingesetzt werden und was ist die „AVWS-spezifische Einstellung“?
Hörgeräte können bei AVWS gezielt eingesetzt werden, um bestimmte auditive Teilleistungsbereiche zu unterstützen. Es gibt zwei Hauptansätze für die „AVWS-spezifische Einstellung“:
- Konsonantenerhöhung: Hierbei werden konventionelle Hörsysteme so konfiguriert, dass sie in den für das Konsonantenverstehen wichtigen Frequenzbereichen eine leichte Überbetonung vornehmen. Dies kann dazu führen, dass Sprache sehr deutlich wahrgenommen wird, was besonders in Situationen mit vielen Störgeräuschen vorteilhaft sein kann. Bei diesem Ansatz bleibt das Ohrpassstück des Hörgeräts oft offen, sodass Nutzer das unveränderte Hörbild mit der zusätzlichen „Gewürzzugabe“ im Konsonantenbereich wahrnehmen.
- Fokussierung: Dieser Ansatz zielt darauf ab, Sprache von störenden Umgebungsanteilen zu trennen. Dabei werden alle Ausstattungsmerkmale des Hörsystems, insbesondere Mikrofontechnologie, die sich stark auf Sprecher ausrichten kann, und leistungsfähige Algorithmen zur Spracherkennung und -trennung, maximal genutzt. Um den Nutzer von störenden Nebengeräuschen abzuschirmen, wird hierbei eine komplett geschlossene Otoplastik verwendet, die ein aufbereitetes Hörbild mit Fokus auf Sprache liefert. Diese Ansätze sind das Ergebnis probatorischer Versorgungen und müssen noch wissenschaftlich untermauert werden. Hörsysteme sind jedoch hochmoderne Medizinprodukte, die aufgrund ihrer Individualisierungsmöglichkeiten gut zur Unterstützung bei AVWS eingesetzt werden können.
Sind Hörgeräte der Goldstandard zur Verbesserung der Hörverarbeitung bei AVWS?
Hörgeräte sind keine der absolute „Goldstandard“ zur Verbesserung der Hörverarbeitung bei AVWS. Während Hörsysteme als hochmoderne Medizinprodukte aufgrund ihrer Individualisierungsmöglichkeiten sehr gut zur Unterstützung bei AVWS eingesetzt werden können, sind die hier vorgestellten spezifischen Einstellungen das Ergebnis probatorischer Versorgungen und erfordern weitere wissenschaftliche Untermauerung. Es gibt alternative Ansätze und Produkte, die ebenfalls hilfreich sein können. Dazu gehören milder Gehörschutz zur Verringerung der Gesamtintensität und Signaldichte sowie eine Reihe von Over-the-Counter (OTC) und Consumer-Produkten. OTC-Produkte versprechen zwar oft ähnliche Wirkungen wie Medizinprodukte, unterliegen aber nicht denselben strengen Auflagen, Prüfungen oder Anpassungen durch Fachpersonal und sind nicht im Hilfsmittelverzeichnis gelistet, was ihre Wirksamkeit und mögliche Risiken unklar lässt.
Was ist Auracast und wie ist der aktuelle Stand der Technologie?
Auracast ist ein neuer Bluetooth-Audiostandard, der darauf abzielt, die Einschränkungen bestehender Hörhilfesysteme wie Induktionsschleifen (z.B. Störungen, schlechte Tonqualität, hohe Kosten, mangelnde Privatsphäre) zu überwinden. Es ermöglicht das gleichzeitige Übertragen von Audio an eine unbegrenzte Anzahl von Empfängern. Auracast kann in öffentlichen Einrichtungen (Bahnhöfe, Flughäfen), bei kulturellen Angeboten und für private Anwendungen genutzt werden und ist sowohl für Normalhörende mit Kopfhörern als auch für Nutzer von Hörgeräten oder Hörimplantaten interessant. Im Auracast-System gibt es drei Rollen: den Auracast-Sender (z.B. TV-Gerät, PC), den Auracast-Assistenten (meist ein Smartphone oder Tablet, das die Angebote des Senders sucht und die Verbindung zum Empfänger herstellt) und den Auracast-Empfänger (Kopfhörer, Hörgerät, Smartphone). Die Technologie ist bereits in vollem Gange: Ende 2022 begannen erste Smartphones den Standard zu unterstützen, und bis 2024 wurden voraussichtlich 1,5 Milliarden Geräte weltweit mit Auracast-Funktion verkauft. Beim Verbindungsaufbau muss man sich ca. 10 Meter um den Sender befinden, die Reichweite für den Audiostream beträgt dann bis zu 100 Meter.
Welche alternativen Over-the-Counter (OTC) und Consumer-Produkte können bei AVWS helfen?
Neben konventionellen Hörgeräten gibt es eine wachsende Anzahl von Over-the-Counter (OTC) und Consumer-Produkten, die bei AVWS hilfreich sein können, auch wenn sie nicht die gleichen Prüfstandards wie Medizinprodukte erfüllen. Dazu gehören:
- Active Noise Cancelling (ANC) Kopfhörer: Sie unterdrücken Störgeräusche und können gewünschte Audioinhalte in den Vordergrund stellen, indem sie das Signal von einem Zuspieler definieren.
- Professionelle Konferenzsysteme: Online-Besprechungstools sowie spezielle Kameras und Mikrofone können Sprache separieren und deutlich darstellen.
- Smartphones als externe Mikrofone: Neuere Smartphones können über Bedienhilfen Sprache aufnehmen und separiert an Kopfhörer oder Hörsysteme übertragen, typischerweise mit einer Reichweite von bis zu 8 Metern.
- Mikrofone und Empfänger mit Auracast oder Digitalfunk: Ähnlich wie Übertragungsanlagen können sie Sprache direkt zum Nutzer bringen.
- WiFi-Streaming-Systeme: Bieten eine alternative Möglichkeit zur Audioübertragung in professionellen Umgebungen (z.B. Sennheiser Mobile Connect, ListenWIFI).
- Spezialisierte OTC-Produkte: Einige Produkte wie Audeara Buds, Jabra Enhance, Nuheara IQbuds2max oder Nuance Audio Glasses sind darauf ausgelegt, die Hörverarbeitung zu unterstützen. Diese Produkte können in vielen Alltagssituationen eine wertvolle Unterstützung bieten, auch wenn ihre Wirksamkeit nicht immer unabhängig geprüft wird.
Welche weiteren technischen Hilfsmittel gibt es für Mitschreiben und Live-Transkription bei AVWS?
Für Personen mit AVWS, insbesondere in Bezug auf auditive Speicherung und Sequenzierung, gibt es eine Reihe von technischen Hilfsmitteln zum Mitschreiben und für Live-Transkription, die bereits verfügbar sind und kontinuierlich weiterentwickelt werden:
- Smartpens: Diese Stifte synchronisieren das Geschriebene mit dem Gehörten. Beispiele sind das Moleskine Smart Writing Set oder der NEO Smartpen.
- Apps zum Notieren und Aufnehmen: Apps wie Samsung Notes, AudioNote 2, Notability und Goodnotes bieten Funktionen, die das Mitschreiben und die Aufnahme von Audio integrieren.
- AI Voice Recorder: Geräte wie PLAUD Note und Xnote nutzen Künstliche Intelligenz, um Gesprochenes aufzuzeichnen und zu verwalten.
- Live-Transkriptions-Tools:Live-Untertitel (z.B. Microsoft Windows 11): Bieten eine Möglichkeit zur Offline-Transkription von Audio.
- Spezifische Tools: wie &ava oder XRAI, die gesprochene Sprache in Echtzeit transkribieren.
- Google „Automatische Transkription“: Ebenfalls offline nutzbar.
- Telefonieren: Neuere Smartphone-Modelle (z.B. Samsung Galaxy, Google Pixel, Android 16) bieten Live-Transkription während Telefonaten.
- Smart Glasses/AR-Brillen: Geräte wie Even Realities G1, Vuzix Blade 2 und Vuzix Shield (mit XRAI) sowie Captify vereinen viele dieser Funktionen, indem sie Live-Transkriptionen direkt im Sichtfeld des Nutzers anzeigen können („Audio-Prompting und spatial“).
Wie ist die Kostenübernahme für Hörsysteme bei AVWS geregelt und welche Argumente können hilfreich sein?
Die Kostenübernahme für konventionelle Hörsysteme bei AVWS durch gesetzliche Kostenträger ist derzeit nicht durch eine allgemeingültige Richtlinie oder vertragliche Vereinbarung geregelt. Dies bedeutet, dass in der Regel Einzelfallentscheidungen getroffen werden müssen. Um eine Kostenübernahme zu erwirken, ist eine sorgfältige Dokumentation des Erfolgs entscheidend. Dies kann durch die Führung von Tagebüchern erfolgen und durch die Dokumentation eines verbesserten Sprachverstehens im Störgeräusch (z.B. mittels OL-Messungen) oder der Verringerung der Höranstrengung. Besonders wichtig ist es, bei der Argumentation gegenüber den Krankenkassen den Fokus auf die Teilhabe im privaten Umfeld zu legen. Krankenkassen sind primär für den Ausgleich von Einschränkungen im privaten Alltag verantwortlich. Argumente, die sich auf schulische oder berufliche Aspekte beziehen, sollten zweitrangig sein, auch wenn das Kind oder der Erwachsene dort ebenfalls von der Versorgung profitiert. Der Nutzen für die Alltagsintegration und -bewältigung außerhalb schulischer oder beruflicher Kontexte sollte im Vordergrund stehen.
Auf der Bühne referierten:
- Michael Willenberg:
- Hör- und CI-Akustiker
- Mitglied der Geschäftsführung im Gromke Hörzentrum Leipzig
- tätig im Bereich konventioneller und implantierter Hörlösungen
- Schwerpunkte der Arbeit sind auch Lösungen für Menschen mit AVWS und Übertragungsanlagen
- Langjährige Kooperationen zu Kliniken und Einrichtungen z.B. in der probatorischen Versorgung und der Entwicklung individueller Ansätze
- tätig im Gromke Hörzentrum mit 9 Filialen in Leipzig und Sachsen; qualitätsorientierte Hörakustik mit Spezialisten für Päd- und CI-Akustik, professionelle Gehörschutz-Lösungen
- Mitglied in den Fachausschüssen CI der Europäischen Union der Hörakustiker (EUHA) und der Deutschen Gesellschaft für Audiologie (DGA)
- Dr. Oliver Zetsche:
- Wissenschaftliche*r Mitarbeiter*in der Abteilung Forschung & Entwicklung der BBW-Leipzig-Gruppe
- Dipl. Soz.päd. und M. Sc. Psych.
Abstract
- Der Vortrag möchte Antworten auf folgende Fragen liefern:
- Welche niedrigschwelligen Möglichkeiten gibt es, die eigene Hörverarbeitung vor einer medizinischen Untersuchung zu prüfen?
- An welchen Teilleistungsbereichen können Hörgeräte andocken und was hat es mit dem „Zauber“ der AVWS-spezifischen Einstellungen auf sich?
- Sind Hörgeräte der absolute/unerreichte/alternativlose Goldstandard, um die Hörverarbeitung zu verbessern?
- Was ist Auracast und wie ist der aktuelle Stand?
- Welche weiteren Hilfsmittel (nicht nur nach Verordnung!) können bei den Herausforderungen, die durch Teilleistungsstörungen entstehen, hilfreich sein?
Hauptbotschaften
- Es wird mit dem HörVAS-Selbsteinschätzungsbogen ein weiteres Instrument zur Reflexion der eigenen Hörverarbeitung geben (ab Jugendlichen-Alter) .
- Es gibt nicht DIE AVWS-Hörgeräte-Einstellung, da es auch nicht DIE AVWS gibt.
- Der OTC (over-the-counter)- und Consumer-Markt bietet immer mehr Möglichkeiten, die eigene Hörsituation zu verbessern; jedoch mangelt es oft an der individuellen Anpassmöglichkeit.
Links
Glossar
- Auditive Selektion (Hören im Störschall): Die Fähigkeit, ein Gespräch zu verstehen, wenn laute Umgebungsgeräusche vorhanden sind.
- Auditive Aufmerksamkeit: Die Fähigkeit, sich Geräuschen/Stimmen zuzuwenden und über einen längeren Zeitraum zuzuhören, auch bei Ablenkungen.
- Auditive Separation: Die Fähigkeit, ein Gespräch in einer größeren Gruppe zu verstehen.
- Auditive Speicherung: Die Fähigkeit, gehörte Informationen zu merken und sich daran zu erinnern.
- Auditive Sequenzierung: Die Fähigkeit, sich die richtige Reihenfolge von gehörten Informationen zu merken und richtig nachzuerzählen.
- Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen (AVWS): Eine Störung der Verarbeitung und/oder Wahrnehmung von akustischen Informationen im Gehirn, die nicht durch eine periphere Hörstörung erklärt werden kann.
- Auracast: Eine neue Bluetooth-Funktion, die die drahtlose Audioübertragung an eine unbegrenzte Anzahl von Empfängern ermöglicht und die Probleme bestehender Hörhilfesysteme verbessern soll.
- Dichotisches Hören: Die Fähigkeit, ein Gespräch zu verstehen, wenn zwei Personen gleichzeitig sprechen.
- DGPP: Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie.
- Fokussierung (Hörgeräteansatz): Eine spezielle Einstellung von Hörgeräten, die darauf abzielt, Sprache durch gerichtete Mikrofone und Algorithmen von störenden Umgebungsgeräuschen zu trennen. Oft mit geschlossener Otoplastik verbunden.
- Goldstandard: Eine anerkannte, überlegene Methode oder Behandlung, die als Referenzpunkt dient. Im Kontext des Vortrags wird betont, dass es diesen bei AVWS-Versorgung noch nicht gibt.
- HörVAS (Hörverarbeitung im Alltag: Selbsteinschätzung): Ein in Entwicklung befindlicher Selbsteinschätzungsbogen zur qualitativen Erfassung der eigenen Hörverarbeitungssituationen im Alltag.
- Hyperakusis (Geräuschempfindlichkeit): Eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber normalen Geräuschpegeln, die oft als unangenehm oder schmerzhaft empfunden werden.
- Konsonantenerhöhung (Hörgeräteansatz): Eine spezielle Einstellung von Hörgeräten, die eine leichte Überbetonung von Frequenzbereichen vornimmt, die für das Konsonantenverstehen relevant sind, um das Sprachverstehen zu verbessern.
- Lautdiskrimination/Lautdifferenzierung: Die Fähigkeit, ähnlich klingende Wörter oder Laute zu unterscheiden.
- Milde Gehörschutz-Variante: Eine Form des Gehörschutzes, die nicht vollständig isoliert, sondern die Gesamtintensität des Hörens reduziert, um Überreizung zu vermeiden.
- Multi-Item-Skalen: Eine Methode in Fragebögen, bei der mehrere Fragen oder Items verwendet werden, um eine einzige Dimension oder einen einzelnen Bereich zu messen.
- Otoplastik (Ohrpassstück): Individuell angefertigtes Ohrstück, das das Hörgerät im Ohr hält und den Schallkanal abschließt oder offen lässt.
- Over-the-Counter (OTC) Produkte: Produkte, die rezeptfrei und frei im Handel erhältlich sind, oft ohne die strengen Zulassungs- und Prüfverfahren von Medizinprodukten.
- Peripheres Hören: Die Funktion des Ohres von der Ohrmuschel bis zum Hörnerv, bevor die akustischen Informationen im Gehirn verarbeitet werden.
- Prädiktive Validität: Ein Gütekriterium, das angibt, wie gut ein Messinstrument zukünftige Ergebnisse oder Verhaltensweisen vorhersagen kann.
- Probatorische Versorgung: Eine Testphase oder ein Erprobungszeitraum, in dem eine Behandlung oder ein Hilfsmittel ausprobiert wird, um seine Wirksamkeit im Einzelfall zu bewerten.
- Reliabilität: Ein Gütekriterium, das die Zuverlässigkeit und Beständigkeit eines Messinstruments misst; ob es bei wiederholter Anwendung die gleichen Ergebnisse liefert.
- Roger Focus: Ein drahtloses Mikrofonsystem von Phonak, das die Stimme eines Sprechers direkt zum Hörer überträgt, oft im schulischen Kontext eingesetzt.
- Selbsteinschätzung: Eine Methode, bei der Individuen ihre eigenen Erfahrungen, Fähigkeiten oder Symptome bewerten.
- Sprachbanane: Eine grafische Darstellung der typischen Frequenz- und Lautstärkebereiche der menschlichen Sprache, die für die Hörgeräteanpassung relevant ist.
- Teilleistungsbereiche (TLB): Spezifische auditive Funktionen, die bei einer AVWS beeinträchtigt sein können (z.B. auditive Selektion, Aufmerksamkeit, Speicherung).
- Transkriptions-Tools: Software oder Apps, die gesprochene Sprache in geschriebenen Text umwandeln.
- Übertragungsanlagen: Systeme, die die Stimme eines Sprechers (z.B. über ein Mikrofon) direkt und drahtlos an einen Empfänger beim Hörer übertragen, um Distanzprobleme zu überbrücken.